Zu langsam für die Marketingwelt? Gut so! Damit punktest du in drei wichtigen Bereichen.

Du willst großartige Produkte? Nimm dir Zeit.

Die digitale Marketingwelt suggeriert, dass im Marketing einzig „höher schneller weiter“ zum Erfolg führt. Dabei ist Entschleunigung angesagt.

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Kategorie: Marketing

Maren Martschenko
Maren Martschenko

Wenn du Facebook, Instagram oder Twitter aufmachst, füllt sich dein Bild schneller mit Posts als du gucken kannst. Studien zeigen, dass Inhalte spätestens nach 24 Stunden nicht mehr relevant sind. Die digitale Marketingwelt suggeriert uns, dass das einzig wahre Erfolgsrezept im Marketing „höher schneller weiter“ lautet.

Klar, dass viele Selbständige denken, sie müssten schneller sein und mehr schaffen in weniger Zeit. Die Angst ist groß, etwas zu verpassen, nicht gut genug oder zu langsam zu sein. Für dieses Phänomen gibt es mittlerweile sogar einen eigenen Begriff: „Fear of missing out“, kurz FOMO. Mit so einer Haltung machst du dir unnötig das Leben schwer.

Natürlich gibt es Situationen, in denen wir ganz schnell Entscheidungen treffen müssen. Mir erging es so, als der erste Corona-Lockdown verhängt wurde. Innerhalb weniger Tage waren alle Beratungsworkshops und Vortragsanfragen abgesagt. Auftragsbuch leer. Die Buchveröffentlichung auf unbekannt verschoben. Kurz verfiel ich in Panik. Dann ein Moment des Innehaltens. Ruhe bewahren. Erst einmal ein Kuhbild malen. Bei mir selbst ankommen.

Jetzt konnte ich überlegt rangehen: Liquidität prüfen. Ressourcen checken. Welches meiner Angebote könnte meiner Zielgruppe, den Selbständigen, jetzt helfen, sich neu zu orientieren? Das war das Magnetprodukt-Kit. Ich gab es zu einem Super-Sonderpreis heraus. Unterstützt mit Webinaren brachte ich eine große Gruppe Solo- und Sidepreneur:innen auf den Weg. Nach sieben Wochen stand die Frage im Raum, wie es wohl weitergehe? Ich entschied mich dafür, eine Membership-Plattform zu entwickeln: Den „Magnetprodukt-Club“.

Nach dieser Devise “Wir haben alle Zeit der Welt” entwickeln wir im Team das Membership-Programm kontinuierlich weiter. Höchste Priorität hat für uns nicht, möglichst schnell möglichst viele Mitglieder zu gewinnen, sondern möglichst schnell möglichst begeisterte Mitglieder zu haben. Dafür nehmen wir uns Zeit. Und es ist der Rat, den ich auch dir gebe:

 Wenn du mit Spaß und schnellen Erfolgserlebnissen an deiner Marke und deinem Unternehmen arbeiten willst, nimm’ Tempo raus! 

Es ist gerade die Langsamkeit, die positive Auswirkungen in drei ganz wichtigen Bereichen des Marketings mit sich bringt.

Du willst großartige Produkte? Nimm dir Zeit für Feedback.

Wer ein Produkt zu schnell auf den Markt bringt, bringt mit hoher Wahrscheinlichkeit eins auf den Markt, das keiner braucht. Immer wieder zeigen Studien, dass die Bedürfnisse der potenziellen Käufer:innen und ihre Kriterien, sich für einen Kauf zu entscheiden, nicht wirklich recherchiert wurden. Oder Produkte nicht ausreichend getestet wurden.

Dabei bilden großartige Produkte die Basis für ein erfolgreiches Business und eine starke Marke. Denn großartige Produkte begeistern die Menschen. Und begeisterte Menschen empfehlen häufiger und sind loyaler.

 Großartig sind Produkte, die die Welt ihrer idealen Käufer:innen klar und eindeutig besser machen. Oder das Leben leichter. Oder Geld sparen. Oder alles zusammen. 

Großartige Produkte entstehen nicht, wenn du ständig darauf schielst, schnell Reichweite aufzubauen, sondern genau schaust, wie du die Welt deiner Kund:innen besser machst oder auch nicht. Das bedeutet unter anderem, dass du dir Zeit nimmst, Feedback einzuholen und auszuwerten und dafür zu nutzen, Verbesserungen zu integrieren.

Wichtige Qualitäten, die „langsame“ Produktentwickler:innen haben: empathisch zuhören, ehrlich reflektieren, bereit sein, bestehende Konzepte über Bord zu werfen.

Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst.

Haemin Sumin

Ein Plädoyer für mehr bewusste Pausen – gerade in einer sich immer schneller verändernden Welt. Willst du schöne Momente mit deinem Angebot erzeugen, lohnt es sich, dich bewusst mit deiner Zielgruppe und ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen.

Schon bei meinem Buchprojekt sagte mein Verleger einmal zu mir: „Frau Martschenko, lassen Sie sich nicht hetzten. Perfektion braucht Zeit.“ Perfektion strebe ich mit meinem Magnetprodukt-Club nicht an, denn dann würde ich nie fertig werden. Aber ein wirklich großartiges Angebot, das Kunden glücklich macht, soll es schon werden.

Gut Ding will Weile haben. Deshalb war der Club ein halbes Jahr nach Gründung immer noch nicht für die Allgemeinheit zugänglich. In den ersten Monaten habe ich sehr ausführlich mit den Gründungsmitgliedern getestet, was funktioniert und was nicht. Regelmäßig baue ich Feedbackschleifen ein, um die Inhalte kontinuierlich zu verbessern. Ich will nicht möglichst schnell möglichst viele zahlende Abonnentinnen gewinnen, sondern ich möchte die bestehenden Mitglieder zu begeisterten, aktiven Nutzer:innen machen.

Du willst loyale Kundenbeziehungen? Nimm dir Zeit für die einzelnen Menschen.

Klar gibt es einige Tricks, mit denen man beispielsweise seine Followerzahlen oder Newsletterabonnent:innen pimpen kann. Logisch kannst du irgendwelche Marketingaktionen fahren, die mit Rabatten oder sonstwas locken, um kurzfristig Aufträge zu generieren. Und jede Unternehmer:in hat einen bestehenden Kundenkreis.

ABER: Die Menschen sind oft genauso schnell weg, wie sie gekommen sind. Es gibt ein niederländisches Sprichwort, das lautet:

Vertrauen kommt zu Fuß und flieht mit dem Pferd.

Autor unbekannt

Nur weil jemand einige Male bei dir gekauft hat, ist er noch lange nicht loyal. Nur weil dir jemand im Internet folgt oder deinen Newsletter abonniert hat, kauft er nicht automatisch. Der Schlüssel für echte Loyalität ist nur der persönliche Bezug zur Marke, zum Produkt, zu dir. Dann bekommst du nicht nur treue Kunden, sondern auch Empfehlungen. Die wünschen wir uns alle: Empfehlungsgeber:innen sind unser Vertrieb. Die schicken uns neue Interessenten, einfach so. Von sich aus!

Was ist der beste Dünger, mit dem vertrauensvolle Beziehungen zu Kunden und Community wachsen? Du ahnst es schon: Zeit. Nimm dir Zeit für die Menschen, die dir folgen. Interagiere. Höre zu. Frage nach. Gerade im Onlinebusiness erlebe ich immer wieder, dass in Serien-Mails oder Social-Media-Posts das Blaue vom Himmel versprochen wird. Diese Menschen sind so mit dem Bauen ihres Marketing Funnels (zu deutsch Trichter) beschäftigt, dass sie überhaupt keine Zeit mehr haben, sich direkt mit ihren potenziellen Kund:innen auszutauschen. Als ob sich Menschen wie Schüttgut in einen Trichter füllen lassen und als Kund:innen unten heraus fallen.

Oder sie haben solche Angst, sich unter Wert zu verkaufen, dass sie ihr Angebot nicht zum kostenlosen Testen zur Verfügung stellen. Dabei liegt im direkten Austausch ein ganz großer Schatz!

 Vertrauen zwischen dir und deiner Community bzw. deinen Kund:innen baut sich auf, indem du ihnen an jedem Touchpoint das Gefühl gibst, in dem Moment der wichtigste Mensch der Welt zu sein. 

Ich war so froh, dass ich während des Lockdowns meine kostenlose wöchentliche Webinarreihe zum Magnetprodukt-Kit hatte. Auch im direkten Austausch in Coworking-Sessions im Club lerne ich so viel durch die Interaktion mit den Mitgliedern. Das alles sind wertvolle Impulse, mein Angebot noch besser zu machen.

Du willst eine vertrauensvolle Marke? Nimm dir Zeit für die Beziehungen.

Bei Marke denken viele, es müsse nur schnell ein cooler Slogan oder ein schickes Logo her, dann klappt das schon. Vielleicht erinnerst du dich an die Drogeriemarke „Schlecker“, die sich mit einem neuen Logo und Claim „For you for Ort“ ein neues Image verpassen wollte? Mit solchen Schnellschüssen riskierst du, zum leeren Abziehbild zu werden. Schlecker musste wenig später Insolvenz anmelden. Den Preis für Missmanagement und schlechte Kundenorientierung bezahlten am Ende die in den Medien bekannt gewordenen „Schlecker-Frauen“, die arbeitslos wurden.

Am Ende bewahrheitete sich Jeff Bezos Aussage „Marke ist das, was andere über dich sagen, wenn du den Raum verlässt.“ Im Fall Schlecker war das defintiv nicht „for you vor Ort“.

Eine vertrauensvolle Marke ist mehr als „schnell mal schön“. Es braucht kontinuierliches und konsequentes Arbeiten daran. Nicht nur mit Kund:innen, sondern auch an deinem Unternehmen und an deiner Marke.

Für die Marke „Magnetprodukt-Club“ sieht das so aus: Die Basis für die Marke sind die Erlebnisse der Mitglieder im Club. Neudeutsch Brand Experience. Diese ist stark geprägt durch die sogenannte Learning Experience, also wie erleben die Mitglieder Fortschritt bei der Entwicklung und Vermarktung ihrer Magnetprodukte. Was empfinden sie dabei?

Erlebnisse, die sie mir gespiegelt haben: strukturiert, flexibel, mit Freude, Fortschritt erlebend, motivierend, in Gemeinschaft. Mit diesem Feedback konnte ich gut in den Abgleich gehen, ob das meine Zielsetzung mit dem Unternehmen ist. Da ich von Anfang an, Rückmeldungen eingeholt habe und neue Features abgestimmt auf die Bedürfnisse der Nutzer:innen eingeführt habe, haben Selbst- und Fremdbild eine hohe Übereinstimmung.

Nun konnte all das in das Design der Marke einfließen – in Form eines Logos, von Farben, Nutzerführung auf der Webseite, Storytelling, Texte, Contentmarketing und auch wie ich persönlich innerhalb des Clubs agiere. Erst nachdem wir das integriert und getestet hatten, öffneten wir den Club für neue Mitglieder. Auch künftig nehmen wir uns regelmäßig Zeit, die Brand Experience zu verbessern.

Wenn du mit deinem Business zur Marke werden möchtest, ist es nicht nur wichtig an Features und Kundenvorteilen zu feilen, sondern auch genau zu analysieren:

  • Was erleben deine Kund:innen?
  • Was empfinden sie?
  • Was sagen sie?
  • Welche Kernwerte stehen im Fokus?

Wenn du hier den Nerv deiner Zielgruppe triffst, werden Menschen zu loyalen Kund:innen und zu begeisterten Empfehler:innen.

Es lohnt sich, dir dafür Zeit zu nehmen. Du wirst merken, dass du sehr viel besser vorankommst, wenn du langsam und bedacht vorgehst. Du hast alle Zeit der Welt!

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