Wir können und müssen nicht alles wissen, wenn wir das Nachher als Lehrer nehmen.

Nachher ist man immer schlauer: Reflexion als Selbstführungstool

Eine günstige und völlig unterschätzte Form des Lernens: Das Lernen vom Nachher. Fünf Gründe, warum sich Selbstreflexion lohnt und drei Tipps, wie du sie in deinen Alltag integrierst. Inkl. Fragenkatalog.

Stichworte: , ,

Kategorie: Wachsen

Maren Martschenko
Maren Martschenko

Lernen ist für die meisten Menschen ganz stark mit dem Erwerb neuen Wissens verbunden. Es gibt regelrechte Weiterbildungsjunkies, die am Ende einer Fortbildung schon überlegen, welche sie als nächstes machen.

Es gibt eine viel günstigere und gleichzeitig völlig unterschätzte Form des Lernens: Nämlich das Lernen vom Nachher. Beinahe vorwurfsvoll wird der Ausspruch „Nachher ist man immer schlauer“ verwendet. So als sei hätte man es vorher eigentlich besser wissen müssen.

Genau das geht aber nicht in einer immer komplexer werdenden und sich schneller verändernden Welt. Egal, wie viele Fortbildungen wir machen: Wir können nicht alles wissen. Und wir müssen es auch gar nicht, wenn wir das Nachher als Lehrer nutzen.

Seit einiger Zeit reflektiere ich öffentlich unter dem Hashtag #reflectandlearn auf Linkedin meine Woche anhand einer Handvoll Fragen.

>> Springe direkt zu den Fragen.

Warum sich das lohnt und wie ich es in meinen Arbeitsalltag integriert habe, will ich dir nachfolgend erzählen. Außerdem ist etwas passiert, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Wie das eben so ist:

Nachher ist man immer schlauer.

unbekannt

Warum sich das regelmäßige Selbstreflektieren lohnt

Das wöchentliche Reflektieren ist Teil meines OKR-Zyklus und hilft mir, konsequent den Fortschritt auf dem Weg zu meinen Zielen zu verfolgen, aber auch die Blocker zu identifizieren. Oft zeigt sich ein Weg ja erst im Gehen. Da möchte ich schnell meinen Kurs an die Gegebenheiten anpassen können.

Durch das Reflektieren lerne ich aus meinen Irrtümern. Ich mag den Begriff Irrtümer an dieser Stelle viel lieber als Fehler. Denn meistens beruhen vermeintliche Fehler auf falsch getroffenen Annahmen über die Realität. Als Unternehmerin treffe ich täglich Entscheidungen basierend auf bestimmten Annahmen. Stelle ich fest, dass ich mich geirrt habe, kann ich schnell eine Kurskorrektur vornehmen.

Ich lerne allerdings nicht nur aus den Dingen, die nicht gut gelaufen sind, sondern auch aus denen, die sehr gut gelaufen sind. Erfolge gehen im Alltag normalerweise viel zu schnell unter, weil man immer nur schaut, was alles noch zu tun ist. Durch das Reflektieren der Erfolge erlebe ich eine positive Verstärkung. Ich werde mir meiner Stärken besser bewusst und kann insgesamt schneller entscheiden und bewusster handeln. Eine Schlüsselkompetenz für Unternehmer:innen.

Die Reflexion stärkt meine Bereitschaft, mein eigenes Handeln in Frage zu stellen. Die Gefahr, mich zu über- oder unterschätzen, ist viel geringer. Ich agiere als mein authentisches Selbst. Kein „Fake it until you make it“. Das spart enorm Energie und schafft stabilere Geschäftsbeziehungen. Gerade das öffentliche Reflektieren hilft meinem Netzwerk, mich besser einzuordnen: „Ah, so tickt die!“ Authentizität ist nicht umsonst einer der Schlüsselfaktoren für erfolgreiche Marken.

Wie die Reflexion Teil meines Arbeitsalltags wurde

Theoretisch wusste ich schon länger, wie nützlich das regelmäßige Reflektieren ist. Richtig Wirkung hat es aber erst gezeigt, nachdem es ein fester Bestandteil meiner Wochenroutine war.

Geholfen hat mir dabei, einen festen Termin anzulegen. Immer freitags ploppt bei mir im Kalender eine Erinnerung auf. In meiner Notizen-App auf dem Smartphone habe ich immer ein Dokument mit dem Fragenkatalog für die laufende Woche. Wenn mir etwas einfällt für mein #reflectandlearn notiere ich gleich ein Stichwort.

Auch wenn ich ein großer Fan von klaren Strukturen bin, lasse ich mir offen, welche weiteren Fragen ich neben den drei gesetzten beantworte. Nicht jede Woche ist gleich. Da möchte ich flexibel bleiben.

Das schriftliche Festhalten hilft mir, mein Denken, Fühlen und Handeln in der Woche stärker bewusst zu machen. Durch die Entscheidung, mein #reflectandlearn gegen Ende der Woche öffentlich auf Linkedin zu teilen, bin ich stärker committet, auch wirklich zu reflektieren. Öffentlich gegeben Versprechen halte ich viel besser ein als solche, die ich mir im Stillen gegeben habe.

Aus einer Idee wurde eine Community

Wir sind mittlerweile eine ganze Community geworden, die jede Woche ihre Learnings, Erfahrungen und Gedanken teilt. Großes Shout-out an dieser Stelle an die Mitbegründer:innen Anna Koschinski, die den Hashtag gestiftet hat, und Tobias Leisgang, der viele andere inspiriert und bestärkt, sich der Community anzuschließen.

Freiraumfrau® Angelika Bungert-Stüttgen ist ebenfalls Teil der #reflectandlearn Gruppe. In ihrem Blog beschreibt sie ihre Motivation wie folgt:

Durchs Schreiben erfährt meine komplette Woche die Würdigung, die sie verdient und nicht nur der letzte Tag, der in Erinnerung bleibt. Meine Reflexion hilft mir Zusammenhänge zu erkennen, Blockaden zu entdecken und mich immer wieder neu auszurichten. Ich benutze für meinen Wochenrückblick meine Werte FREIRAUM, FREUDE und EHRLICHKEIT als Orientierung und Fragestellung.

Freiraumfrau® Angelika Bungert-Stüttgen

Über die Zeit ist durch die Gruppe ein Fragenkatalog entstanden, der kontinuierlich wächst. Gute Fragen kann man ja nie genug haben!

Wir inspirieren und bestärken uns gegenseitig. Wir lernen voneinander. Es tut sehr gut zu merken, dass man sich für seine Irrtümer nicht schämen muss, denn andere irren genauso oft. Es ist menschlich. Die unterschiedlichen Beiträge zeigen, dass sich erfolgreiche Führungskräfte und Unternehmer:innen durch Empathie und Selbstführungsstärke auszeichnen. Dass Erfolg nie linear verläuft, sondern vielfältige Formen annehmen kann.

Resilienz-Expertin Brigitte Hettenkofer beschreibt den Effekt des wöchentlichen Reflektierens wie folgt:

Ich mache die Erfahrung, dass ich die Woche viel bewusster wahrnehme. Die Fragen von #reflectandlearn laufen in meinem Hirn die Woche über mit. Dieses Phänomen verstärkt sich sogar.

Brigitte Hettenkofer

Ungeplanter Nebeneffekt: Die #reflectandlearn Beiträge bekommen eine ganz andere Sichtbarkeit und Reichweite, dadurch, dass wir uns gegenseitig lesen und liken. Über 300 Menschen (Update Juni 2023) folgen dem Hashtag #reflectandlearn auf Linkedin.

Eine Auswahl an #reflectandlearn Fragen (to be continued…)

Ich wähle aus den folgenden Fragen jeweils fünf aus. Die ersten drei sind gesetzt.

👩‍🎓 Was lerne ich gerade? oder 🙇‍♂️Was verlerne ich gerade?

😍 Welchen freudvollen Moment nehme ich mit?

🎯 Was war mein größter Erfolg?

👍 Wofür lobe ich mich?

🏆 Was war mein Highlight? #hurraderwoche

🛑 Wo war ich blockiert?

🤷 Was hat mir Energie geraubt?

💪 Was hat mir Energie gegeben?

🤔Was hat mich nachdenklich gemacht?

❤️ Wofür bin ich dankbar?

🔛 Welche Entscheidung habe ich getroffen?

🕺🏻Wer oder was hat mich inspiriert?

💎 Welche Veränderung begeistert mich gerade am meisten?

🔁 Welchen Loop habe ich geschlossen?

🏃‍♀️Welcher neue Weg ist im Gehen entstanden?

💡 Welche Ideen möchte ich mit dir teilen? 

🚪Welche Tür habe ich mir oder anderen geöffnet?

🔎 Was suche ich gerade?

📅 Worauf freue ich mich nächste Woche?  

#️⃣ Frage der Woche: Wechselt von Woche zu Woche >> siehe Blog

🎶 Mein Soundtrack der Woche?

Werde gern Teil unserer Community

Wir sind kein exklusiver Zirkel, sondern freuen uns, wenn wir sich der Kreis vergrößert. Kopiere dir die Fragen, die dir gefallen, hier heraus und teile gerne dein #hurraderwoche, deine Learnings und deine kleinen und großen Erfolge unter dem Hashtag #reflectandlearn auf Linkedin.

Auf Linkedin verschicke ich mittlerweile auch wöchentlich einen Reminder inklusive Fragen und stelle in einem kleinen 3×3 ein Mitglied der Community vor. Schließ dich gerne an. Hier geht’s zum Linkedin-Newsletter.

Weiterführende Infos rund um #reflectandlearn

Im Podcast “Social Media Schnack” von und mit Thorsten Ising erzähle ich die Entwicklung des #reflectandlearn.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von social-media-schnack.de zu laden.

Inhalt laden

Wenn du wie ich großer Fan von Check-in-Fragen für die Woche, um gut ausgerichtet durch den Alltag zu navigieren, schau gerne hier im Blog in der Kategorie “Frage der Woche” oder hole dir das Kartenset.

Rückmeldungen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

  1. Auf Empfehlung von Anna schreibe ich seit Dezember wöchtenlich ein #ReflectAndLearn. Manchmal fordert es mich sehr, die richtigen Worte zu finden und das Wesentliche zusammenzufassen. Aber Wiens schreibst: man lernt für sich und es geht immer besser. Danke für die tolle Initiative 😀

  2. Durch Anna habe ich hierher gefunden und möchte das bewusste Reflektieren auch schriftlich festhalten.
    Mein “Ja, aber”: Wöchentlich ist mir eigentlich (noch) zu viel. Wie sinnvoll ist ein monatliches reflectandlearn?

    1. Liebe Martina,

      wie schön, dass du dich der #reflectandlearn Community anschließen möchtest. Zu deiner Frage: Meine Erfahrung und Beobachtung bei anderen ist, dass tatsächlich das kurze Reflektieren am Ende jedes Tages am besten ist. Ich habe dafür eine Notiz angelegt, in der ich stichpunktartig notiere, was gut war oder wofür ich dankbar bin oder was ich gelernt habe. In erster Linie reflektiere ich ja für mich, damit mir die guten Erlebnisse und Learnings im vollen Alltag nicht durchrutschen. Anfangs hatte ich das auch monatlich gemacht. Dann konnte ich mich aber kaum mehr daran erinnern.

      Am Ende der Woche picke ich mir dann aus der Liste die für meine Community interessantesten Aspekte heraus. Der Beitrag für Linkedin schreibt sich dadurch fast von selbst.

      Auf der anderen Seite ist monatliches Reflektieren viel besser als gar nicht zu reflektieren. In diesem Sinne: Fang monatlich an und erhöhe die Frequenz in dem Tempo, wie du dich damit wohl fühlst.

      Viele Grüße Maren

  3. Liebe Maren, genau nach diesem Blogartikel habe ich heute Morgen gesucht, als ich mich entschieden hatte, auch mitzumachen bei #reflectandlearn. Schade, dass die Suche da nicht besser funktioniert hat. Auf Umwegen bin ich jetzt ja doch hier gelandet und freue mich, wöchentlich das Lernen im Nachher zu zelebrieren. Gruss, Susanne

  4. Liebe Maren,
    ich mache schon seit einer Weile mit, ohne diese Gruppe gefunden zu haben. Bin gerne dabei. Ich mag es sehr, mit diesen Fragen meine Woche zu reflektieren. Danke für die Inspiration!
    Liebe Grüße
    Kerstin

Weitere Beiträge

Kernidee dieses Workshops: Wie du mit der Automation Software “make” das Workflow Automation Prinzip kennen- und anwenden lernst

Kernidee dieses Trails: Wie du auf einem unübersichtlichen Markt deine Einzigartigkeit herausstellst und deine Konkurrenz auf Abstand hältst – sogar wenn es Mitbewerber:innen wie Sand

Das Flywheel ist mehr als nur ein Konzept. Es ist die Energie, mit der du dein Marketin antreibst.

Vom Anziehen bis Begeistern: Das Flywheel-Konzept ist der Schlüssel für ein erfolgreiches Marketing. Starte deine Erfolgsreise heute.

Weitere Neuigkeiten

Umsatzerfolg ist mehr als nackte Zahlen, er ist wahrhaft vielschichtig. Zitat von Maren