Fotos von Anke und Maren vor blauem Hintergrund mit dem Schriftzug ‚Done is better than perfcet‘ und einem roten ‚on air‘-Schild

Schreibstimme in Zeiten von KI: Warum deine eigenen Texte noch wichtiger werden

Clubst@r Anke Ernst spricht in dieser Folge darüber, warum eigene Texte in Zeiten von KI wichtiger werden und weshalb Schreiben immer auch Denken ist.
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Maren Martschenko

Lohnt sich selber schreiben überhaupt noch, wenn alle anderen im Minutentakt Texte per KI raushauen?

Mit dieser Frage startet die neue Folge von MPC on Air mit Schreibmentorin Anke Ernst. Eine Frage, die sich viele Selbständige gerade stellen, die regelmäßig Content fürs Web produzieren.

Im Gespräch wurde schnell klar: Es geht längst nicht nur um Content. Sondern um eigenständiges Denken, Verbindungen pflegen, Haltung zeigen. Und darum, ob wir uns selbst beim Schreiben überhaupt noch begegnen. Inklusive des besten Tipps, den ich bisher im Kontext Schreiben und KI gehört habe.

» Hier eine kurze Zusammenfassung der Highlights

Schreiben ist Denken

Anke sagt im Podcast einen Satz, den ich unbedingt unterstreichen möchte:

Schreiben ist Denken.

Anke Ernst, Schreibmentorin

Wenn wir das Schreiben komplett an KI auslagern, lagern wir damit auch einen Teil unseres Denkprozesses aus.

Beim Schreiben durchdringen wir Themen tiefer, entwickeln Gedanken weiter und setzen uns mit dem auseinander, was wir eigentlich sagen möchten.

Das Mittelmaß wird durch KI noch breiter

Mittelmäßige Texte gab es schon immer. Durch KI wird es noch viel mehr geben. Darin liegt eine Chance und eine Aufgabe: Wenn wir mit unseren Texten auffallen und gelesen werden wollen, dann brauchen wir unbedingt die Texte, die uns ausmachen, in denen wir erkennbar werden.

Gerade als Trainer:in, Coach, Berater:in oder Kreative:r kann die eigene Schreibstimme deshalb sogar ein Filter sein: Sie zieht passende Menschen an und hält unpassende fern.

Der beste KI-Tipp fürs Schreiben

Anke beschreibt KI im Schreibprozess eher als Assistentin oder Redakteurin – nicht als Ersatz für die eigene Stimme. Und das Wichtigste: Investiere die gesparte Zeit nicht, um noch mehr Texte zu generieren, sondern um eine Pause zu machen, spazieren zu gehen, zu leben. Denn ein interessantes Leben führt zu interessanten Texten.

Ein interessantes Leben führt zu interessanten Texten.

Anke Ernst

🎧 Jetzt reinhören!

Fotos von Anke und Maren vor blauem Hintergrund mit dem Schriftzug ‚Done is better than perfcet‘ und einem roten ‚on air‘-Schild
Fotocredits: privat

Shownotes zu meinem Gast:

💬 Und jetzt du: Was ist deine Erfahrung mit KI und Schreiben?

Schreibst du selbst oder lässt du KI für dich arbeiten? Welches Vorgehen funktioniert für dich am besten? Teile deine Gedanken gerne in den Kommentaren!

Transkript

Maren:
Hallo zu einer neuen Folge von MPC on Air. Heute begrüße ich mal wieder Anke Ernst. Ich freue mich sehr, dass du da bist.

Anke:
Ich freue mich auch sehr, liebe Maren. Schön, dass ich da sein darf.

Maren:
Anke ist Clubstar und Schreibmentorin – und heute sprechen wir über das Thema Schreibstimme in Zeiten von KI. In der Ausschreibung deines Webinars am 19. Mai steht die Frage: „Lohnt sich selber schreiben überhaupt noch, wenn alle anderen im Minutentakt Texte per KI raushauen?“ Warum ist dir das so wichtig, dass Menschen selbst schreiben – in ihrer eigenen Stimme?

Schreiben als Denkprozess: Warum KI uns nicht ersetzen sollte

Anke:
Vielleicht sollten wir zuerst sagen: Wir richten uns ja beide an Solo-Selbstständige – und gerade da ist es noch mal wichtiger als sonst. Aber natürlich ist es generell wichtig.
Der Hauptgrund: Schreiben ist Denken. Wenn wir das Denken an die KI auslagern, dann gute Nacht.
Viele denken ja: „Schreiben ist einfach nur irgendwas tippen – und das kann jetzt auch die KI generieren.“ Aber so einfach ist es nicht. Schreiben ist ein Denkprozess. Dadurch durchdringen wir Themen tiefer und entwickeln uns selbst weiter, indem wir schreibend unsere Themen bearbeiten.
Wenn wir eine KI machen lassen, kriegen wir immer nur den Status quo von dem, was wir gerade sind. Wir nehmen uns die Chance, uns weiterzuentwickeln – und auch die Fähigkeit, eine KI angemessen zu bedienen. Denn wir können ja gar nicht einschätzen, was die KI uns für Output gibt, wenn wir selbst nicht wissen: Was ist eigentlich ein guter Text? Was halte ich davon?
Das zweite große Argument: Wir schreiben, um eine Verbindung zu unserer Leserschaft aufzubauen. Wir können nicht erwarten, dass Menschen unsere Texte lesen – und wir selbst zur Seite treten und sagen: „Ja, macht mal.“ Da ist irgendwas verquer in diesem Gedanken.
Es gibt Studien dazu, dass man das Gefühl von Urheberschaft verliert, wenn man einen Text generieren lässt. Und wenn wir in unserem Business einfach sagen: „Ja gut, KI, mach mal“ – und uns gar nicht mehr mit dem Text verbunden fühlen, dann ist da schon in diesem Kommunikationsmodell eine Entfremdung. Und die setzt sich natürlich fort, wenn der Text dann Menschen erreichen soll. Im Zweifelsfall erreicht er sie eben nicht.

Schreiben als Verbindung zu sich selbst

Maren:
Wo ich dir jetzt zuhöre, frage ich mich: Verlieren wir dann auch in einer gewissen Weise die Verbindung zu uns selbst?

Anke:
Unbedingt. Das ist etwas, was ich immer betone: Wenn wir schreiben, fangen wir bei uns selbst an. Es ist nicht so, dass wir uns hinsetzen und sagen: „Jetzt schreibe ich mal über Thema XY.“ Sondern wir fangen da an: Wie geht es mir eigentlich? Vielleicht geht es mir heute nicht so gut. Dann sitzt da irgendwie eine Blockade …
Es ist so cool, wenn man anfängt, sich mit sich selbst zu verbinden und zu gucken: Was möchte ich da eigentlich schreiben? Warum will ich das schreiben? – auf so einer Meta-Ebene. Und dann erst den „richtigen“ Text schreiben. Das ist eine komplette Fortentwicklung, die wir da machen. Wir entwickeln uns total weiter – auf textlicher Ebene, auf persönlicher Ebene. Und natürlich prägt das dann auch letztendlich unser Business.
Das Schreiben, um zu denken – gar nicht so sehr, um zu veröffentlichen. Denn ich habe das Gefühl: Die Menschen schreiben gar nicht für sich oder für Verbindung, sondern für eine Plattform – oder noch schlimmer: für den Algorithmus einer Plattform. Und sind sich gar nicht mehr bewusst über diesen Zusammenhang.

Maren:
Bei mir hat sich das Schreiben – vor allem die Freude am Schreiben – total verändert, als ich begonnen habe, zu schreiben, um des Schreibens willen. Diese Verfertigung der eigenen Gedanken, mir selbst ein bisschen auf die Spur zu kommen. Und erst dann, mit ein bisschen Abstand auf den Text schauend: „Das könnte was für meine Community sein – oder das könnte andere Menschen bewegen.“
Beobachtest du das auch, dass Menschen quasi für Plattformen schreiben, aber gar nicht für Menschen – oder vielleicht auch für sich selbst, dass sie dieses Why nicht so gut eruiert haben?

Anke:
Total. Ich muss ehrlich sein: Ich finde das auch manchmal frustrierend, wenn ich was veröffentliche und denke: „Na toll, jetzt liest es keiner.“ Dann finde ich es auch verständlich, dass man etwas veröffentlicht und denkt: „Ich möchte auch, dass das jetzt funktioniert und dass LinkedIn das sehr oft ausspielt.“
Aber du sprichst etwas sehr Wichtiges an: Der Schreibprozess – wie wir diesen gestalten – beeinflusst maßgeblich, wie der Text danach aussieht und wie er wirkt. Wenn ich mich verkrampft vor den Laptop setze und irgendwelche Wörter reintippe, ist das etwas anderes, als wenn ich merke: „Ich schreibe etwas – und dann denke ich darüber nach und gehe mit einem Gedanken raus, von dem ich vermute, dass meine Zielgruppe ihn gerne lesen würde.“
Man kann nicht erwarten, dass alle gerne so schreiben. Bei mir ist es das. Aber es ist etwas, was ich meinen Kund:innen zeigen möchte: Es ist so wertvoll, bei uns selbst anzufangen und uns diesen Raum zu geben, diese Gedanken, die wir haben, mal schriftlich auszuformulieren – und erst ein bisschen „marinieren“ zu lassen. Dann mal schauen, was da rauskommt.

Schreibstimme als Markenwerkzeug: Warum Mittelmaß keine Option ist

Anke:
Das ist tatsächlich auch aus meiner Sicht die einzige Form, in Zeiten von KI-generierten Texten aufzufallen. Denn das Mittelmaß war schon immer da – es wird jetzt einfach nur durch KI noch breiter. Mittelmäßige Texte wird es noch viel mehr geben.
Unsere Aufgabe ist es: Wenn wir mit unseren Texten auffallen und gelesen werden wollen, dann brauchen wir unbedingt die Texte, die uns ausmachen. Die, wo wir uns zeigen. Das meine ich mit Schreibstimme, mit Haltung: Welche Wörter benutzen wir? Welche Meinung vertreten wir – auch wenn sie unpopulär ist? Das sind alles Dinge, die eine KI einfach glatt bügelt.

Maren:
Das gehört für mich auch unbedingt zur Markenarbeit dazu: Dieser Tone of Voice – wie klinge ich? Vielleicht ganz eigenes Vokabular zu benutzen. Selbstbewusster dazu zu stehen, zu dieser eigenen Art zu schreiben.

Anke:
Es gibt tatsächlich schon die Bewegung, dass man bewusst Rechtschreibfehler einbauen lässt von der KI, damit es nicht so auffällt. Aber ich denke: Das sollte uns eigentlich egal sein. Wir wollen ja nicht alle erreichen. Wir wollen eine bestimmte Personengruppe erreichen. Und wenn wir die erreichen, ist es völlig egal, was die anderen mit ihren glatt gebügelten Texten machen.

Maren:
Absolut. Menschen kaufen bei Menschen – besonders als Solo-Selbstständige:innen im Bereich Training, Coaching, Beratung oder Kreation. Die haben die Menschen ganz eng mit einem als Dienstleister:in zu tun, als Partner:in auf Augenhöhe. Mit meinen eigenen Texten kann ich schon von Anfang an diese direkte Verbindung aufbauen – und verhindere damit auch, dass sich Menschen melden, mit denen man vielleicht gar kein Match hat.

Anke:
Genau! Eine Schreibstimme wirkt auch als Filter. Zu mir kommen wirklich immer nur Leute, wo ich denke: „Wow, sind die toll!“ – also nicht objektiv, aber sie passen sehr gut zu mir. Die, die überhaupt nicht zu mir passen, melden sich gar nicht. Das ist total praktisch und verkürzt den Akquise-Prozess enorm.

KI im Schreibprozess: Wo sie sinnvoll unterstützt und wo nicht

Maren:
Du hast vorhin schon im Nebensatz gesagt: „Natürlich können wir KI nutzen – nur nicht zum Schreiben.“ Wo siehst du als Profi, dass KI im Schreibprozess sinnvoll unterstützen kann, ohne die eigene Schreibstimme zu verlieren oder zu gefährden?

Anke:
An sehr vielen Bereichen! Ich betrachte KI als Assistentin oder Redakteurin. Sie kann uns sehr viel Arbeit erleichtern – wenn wir wissen, wie, und immer kritisch bleiben.
Beispiele für sinnvollen Einsatz:

  • Konzeption von Texten: Zielgruppen verstehen. Ich finde es toll, Tools wie Perplexity oder Dimini damit zu beauftragen: „Recherchiert mal in Foren: Wie würden diese Menschen ihr Problem formulieren?“ Oder Themen mit der Customer Journey abgleichen, Gegenargumente finden – weil man ist ja immer im eigenen Kopf.
  • Informationstexte: Einladungen zum Webinar, Produktbeschreibungen. Da steht ja nur: „Dann und dann, das und das mit …“ – da muss meine Persönlichkeit nicht groß rauskommen.
  • Korrektorat & Lektorat: Ich habe Skills in Claude gebaut, die mir Texte auseinandernehmen: „Wo sind Füllwörter? Stimmt der rote Faden? Verliere ich hier die Leser:innen, weil die Passage zu lang ist?“ Oder Texte in HTML formatieren – das ist etwas, wo ich vorher gescheitert bin oder jemanden beauftragen musste.
  • Maßstab: Brauchen wir hier Persönlichkeit, Kreativität, uns selbst als Person? Dann lieber selbst machen. Ansonsten: KI kann sehr gut helfen.

Drei praktische Tipps: So nutzt ihr KI sinnvoll für eure Schreibstimme

Maren:
Unsere Hörer:innen möchten jetzt loslegen. Drei Tipps, wie sie ganz praktisch anfangen können?
Anke:

  1. Auf der Meta-Ebene: Das Selber-Schreiben ist schon der Tipp in sich. Erst selbst denken, dann KI fragen. Immer kritisch bleiben: „Brauche ich das jetzt wirklich? Oder ist es etwas, was ich sonst nicht machen würde, wenn es KI gar nicht gäbe?“
  2. Zeit sparen – aber klug nutzen: Wenn KI uns Zeit spart, können wir die investieren, um eine Pause zu machen, spazieren zu gehen, zu leben. Denn ein interessantes Leben führt zu interessanten Texten.
  3. Freewriting als Grundlagemethode: 10 Minuten Timer stellen – entweder ohne Frage oder mit einer Frage (z. B. „Was möchte ich mit diesem Text eigentlich aussagen?“).
    o Regel: Nicht korrigieren, akzeptieren, wenn es schlecht wird – einfach weiterschreiben.
    o Wenn man nicht weiterweiß: „Jetzt weiß ich nicht mehr weiter, ich muss gleich noch einkaufen und habe gar keine Lust …“ – so kommt man in den Schreibflow und trainiert, auch mal was Schlechtes zu schreiben. Denn genau danach kommt oft was Gutes.

Abschluss & Ausblick

Maren:
Danke für das Teilen deiner Erfahrungen und das Einordnen, wie wichtig die Schreibstimme ist – und wie wir KI sinnvoll nutzen können. Da nehmen wir alle viel mit.
Letzter Hinweis: Ankes Webinar am 19. Mai, 10:30 Uhr – ich packe den Link in die Shownotes. Unbedingt dabei sein!
Anke:
Ich freue mich auf euch – und vielen lieben Dank für die Einladung, Maren.
Maren:
Danke dir. Tschüss.
Anke:
Tschüss. Tschüss.

Musik

Hinweis: Die Aufzeichnung wurde von Whisper transkribiert und für bessere Lesbarkeit von „Le Chat“ (Mistral) redigiert und strukturiert. Die Inhalte entsprechen dem Original-Podcast.

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